„Stehen lauter vernünftige Dinge drin“ bekam ich von Armin Wolf als Antwort, auf meine Frage „Was er denn von den „Guidelines“ halten würde” via Twitter.  Und damit hat er sich auch gleich an einen der Guideline-Punkte gehalten. Doch, „Bleibe freundlich!“, ist nur einer der 10 Empfehlungen für den Umgang mit Social Media, im ORF.

Schmulzeln musste ich schon, als ich zum ersten Mal von den „Guidelines“ hörte. Die ersten Gedanken die mir durch den Kopf schossen: „Umgang mit Social Media? Muss man das noch jemanden beibringen?!“. Und in der Tat, erscheinen es mir so als, dass alle Punkte, die der Österreichische Rundfunk da an seine Mitarbeiter richtet, schon vom Hausvorstand erklärt werden müssten. Scheinbar ist dies aber nicht der Fall und der ORF will ja schauen, dass er mit seinen Mitarbeiter auf den Social-Media-Zug aufspringt. Ob der ORF selbst aber noch einmal Twitter für sich entdecken wird, wage ich ja trotzdem stark anzuzweifeln.

 

Die „10-ORF-Gebote“ 2.0 lauten wie folgt:

  1. Du bist im Internet nicht nur als Privatperson, Du wirst auch als ORF-MitarbeiterIn wahrgenommen.
  2. Achte auf Deinen Ruf – und den des ORF!
  3. Tue nichts, was an Deiner Glaubwürdigkeit und Objektivität als JournalistIn Zweifel auslösen könnte!
  4. Zeige Fingerspitzengefühl bei politischen und wirtschaftlichen „Freundschaften“!
  5. Schreibe und zeige nichts, von dem Du nicht willst, dass es morgen oder in ein paar Jahren über Dich verbreitet oder gesagt wird!
  6. Soziale Netzwerke sind Werkzeuge und nicht Spielzeuge!
  7. Interagiere mit unseren UserInnen, HörerInnen und SeherInnen!
  8. Kümmere Dich um Deine „privacy settings“!
  9. Bleibe höflich!

10. Eigentum bleibt Eigentum – auch im Netz!

Mit stolzen 9 (!) Rufzeichen findet sich das Inhaltsverzeichnis im hier zu downloadenden PDF-Dokument wieder.

 

Ich habe ein paar interessante Eckdaten herausgesucht, die sich von den sonst oft wiederholenden Passagen bzw. Passagen die das selbe aussagen und nur anders formuliert sind, hervorheben.

Zuerst einmal möchte ich auf einen Punkt eingehen, den auch schon Thomas Lohninger (@socialhack ) als Begründung für die Nicht-Berichterstattung über die AK-Vorrat Petition auf zeichnemit.at gesehen hat.

„Bei der Unterstützung von Online-Petitionen und –Initiativen ist es ratsam, Vorsicht walten zu lassen: Es könnte passieren, dass man in die Verlegenheit kommt, darüber zu berichten.“ (Zitat aus den Guidelines)

Also ich bin mir noch immer nicht Sicher ob diese Wortwahl bewusst so getroffen wurde aber „man könnte in Verlegenheit kommen“ ist schon sehr hart. Es heißt ja nicht, dass genau solche Aktionen nicht auch relevant sind. Ich denke etwa auch, dass zeichnemit.at schon des Öfteren eine Erwähnung in den Nachrichten verdient gehabt hätte. Um bei diesem Thema noch kurz anzuknüpfen will ich auf den „Logbuch:Netzpolitik“ Podcast Folge 17 verweisen, in welchem Thomas Lohninger bei Tim Pritlove und Linus Neumann über die Netzpolitische Situation in Österreich spricht.

Zudem werden in den „Guidelines“ öfters Punkte angesprochen die im Endeffekt sagen sollen: „Es ist böse wenn du deine Kollegen, den ORF an sich oder die Chefetage kritisierst“. In diesem Punkt dürfte @ArminWolf ja wohl ziemlich gegen die Richtlinien verstoßen haben. Wer die Geschichte rund um den Aufstand gegen Wrabetz und dessen Versuch Pelinka als Bürochef einzustellen, in den Medien mitverfolgt hat, hat bestimmt auch von den kritischen Bemerkungen von Armin Wolf etwas mitbekommen. Auch fanden unter anderem über Twitter den Weg zu den Menschen in Österreich. Und obwohl er hiermit gegen diese Richtlinie verstoßen hätte denke ich trotzdem, dass Armin Wolf der engagierteste bzw. einer der engagiertesten ORF-Reporter im Social Media Bereich ist.

 

So stellt sich für mich abschließend die Frage ob man solche Regelungen braucht. Ich denke, wenn der ORF seine Reporter zu mehr Social Network Konsum verleiten will, gehört da mehr dazu als einen Katalog zu verfassen, wie man sich dort verhält. Vielmehr müssten die Vorteile aufgezeigt werden, die Journalisten durch diese Netzwerke haben. Es ist schön zu sehen, dass man sich mit dem Thema auseinandersetzt aber vor „Hate-Postings“ zu warnen wird da wohl etwas zu wenig sein.